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Andreas Rebers

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Bocholt (jl). Andreas Rebers ist ein Liebhaber der gleitenden Übergänge. Ohne jeden Bruch wechselte er in der Spinnerei die Themen und kam von „Deutschlands Superstar“ Dieter Bohlen auf den Zweiten Weltkrieg in Polen zu sprechen. Hatte der Kabarettist eben noch über seine öko-bewusste Nachbarin vom Leder gezogen, so fiel er im nächsten Moment gekonnt in den rotzigen Tonfall des ehemaligen Reichskanzlers und führte damit den braunen Nazibodensatz der NPD ad absurdum. Er kümmere sich eben um seine schwarzen Schafe genauso wie um die grünen, meinte der selbsternannte Wanderprediger.

Seine verbalen Giftpfeile zeigten rasch Wirkung: Über zwei Stunden lang hingen ihm die begeisterten Besucher in der Bühne Pepperoni an den Lippen, wo der sarkastische Missionar behauptete: „Ich regle das“. Als Wortführer und „Blockwart“ Gottes wollte Rebers „die frohe Botschaft“ unters Volk zu bringen. Die „Wort am Sonntag“-Stimmung, die seine Verheißungen verströmten, machte fröhlich und nachdenklich zugleich. Denn hinter der Maske des religiösen Heilsbringers sprach der Kleinkünstler einen satirischen Klartext, der an politischer Schärfe kaum zu überbieten war. Bissig zog er über die Grünen und ihre Chefin Claudia Roth her. Letztere würde der Teufel ganz besonders lieben, behauptete er, denn die Dicken würden in der Hölle länger in ihrem Fett schmoren.

Das traf zwar nicht ganz auf Christian Wulff zu, doch der Ex-Bundespräsident kam kaum besser weg. Wenn der auf seinen Ehrensold verzichte, würde zumindest der Hartz IV denken, dass der Mann Charakter habe, spöttelte Rebers. Sein verbaler Rundumschlag beeindruckte vor allem durch sarkastischen Tiefsinn und gutes Allgemeinwissen. Über den TV-Unterhaltungswahn (Zitat eines Fernsehkochs: „Die Ente ist weiter“) konnte er ebenso trefflich parlieren wie über die heuchlerische Bio-Marketing-Welle und die T-Shirts aus Billiglohn-Ländern nach dem Motto „Kauft T-Shirts von Kindern für Kinder!“.

Pointiert erklärte er den amüsierten Zuhörern Intimes aus der Micky Maus- und Duck-Sippe: Dass Donald Duck gewöhnlich untenherum nackt sei, aber zum Baden ein Höschen trage, verrate die ganze Verlogenheit der amerikanischen Moral. Zur Abwechslung schlug der „Geistliche“ auf dem Keyboard rockige Töne an oder karikierte die Ruhrpottröhre Herbert Grönemeyer mit einem „Hosenanzug“-Song. Dass er dabei körpersprachlich meist so blass blieb wie die von ihm beschriebene „Tengelmann“-Kassiererin, die man nur ab der Oberkörpergrenze sehen könne, sei ihm verziehen. Denn der lästernde Referend nahm sich auch selbst aufs Korn. Rebers: „Wer hat eigentlich diese ganze Sch . . .geschrieben?“

BBV