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Andreas Thiel

eingetragen in: 2006 - 2007 | 0

Von Michael Stukowski, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Kabarett in der Schweiz sei nicht gerade lustig, behauptet Andreas Thiel. Die Witze seien ernst und würden oft zwischen den Zeilen liegen. Der Berner Kabarettist weiß, wovon er spricht. Mehr noch: Er lieferte auf der Bühne Pepperoni den lebendigen Beweis. Denn Thiels „Bonmots“ sind spröde, angriffslustig und kopflastig. Und zünden nicht nur, weil er einen Hang zum Nuscheln hat, oft mit Verspätung.
Auch seine Bäder in der Menge beweisen, dass er die Provokation liebt. „Spätestens seit der PISA-Studie muss ich davon ausgehen, dass Sie mich nicht verstehen“, hielt er den verdutzten Besuchern entgegen. Die hatten aber ihren Spaß, wenn er seinen Haustieren Namen wie „Arafat“ oder „Hussein“ gab und die Potentaten bei der Zugabe wieder ins Gespräch brachte. Da frotzelte er scharfzüngig über die „toten Despoten“ und erkundigte sich nach dem Wohlergehen des früheren irakischen Machthabers. „Es geht“, antwortete Saddam. Nur der Nacken sei noch etwas steif.
Bei Thiels Äußerungen wollte einem oft das Lachen im Halse stecken bleiben. Besonders, wenn er etwas versprach, musste man bei ihm auf das Gegenteil gefasst sein. „Ich werde jetzt nicht mehr über Politik oder Krieg und Tod reden“, erklärte der Schweizer, während er eine Flasche Sekt entkorkte. Und sprach dann doch über die „Millionen von kiffenden Militärdienstverweigerern“, die die Aufstände in Afghanistan und im Nahen Osten mitfinanzieren würden. Homosexuelle in der Kirche („Die sind nicht zur Fortpflanzung fähig, obwohl sie es dauernd versuchen.“) bekamen bei ihm genauso ihr Fett ab wie der Papst, der nur ein „Bock im Weingarten des Herrn“ sei.
Aber es gab auch viel Zustimmung aus dem Saal. So erhielt Thiel stürmischen Szenenapplaus, als er die Politiker beschwörte: „Schweigt zugunsten des Denkens!“ Nach der Pause wurde er indes unappetitlich. Wohlwissend, dass mancher Besucher gerade etwas gegessen hatte, sprach er sichtlich vergnügt über kulinarische Gewohnheiten in Bangkok. Und verschwieg nicht die platzenden Maden, die einem dort angeblich in den Zahnlücken stecken bleiben würden. Kurz: Mit seinem skurrilen Humor wird Thiel wohl kaum jemals eine goldene Pepperoni gewinnen. Das sahen auch einige Besucher so, die sich den zweiten Teil ersparten.