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Andreas Thiel

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Bocholt. 1971 habe er das Licht der freien Marktwirtschaft erblickt und dabei gleich eine Ölkrise ausgelöst, erinnerte sich Andreas Thiel am Samstagabend auf der Bühne Peperoni. Im vollen Saal des Gasthofs Wissing-Flinzenberg versuchte er sich mit seinem Programm „Politsatire 3“ in der Gratwanderung: „Wie trifft man auf hohem Niveau unter die Gürtellinie – ohne den Horizont zu übersteigen“. Eloquent, brillant und lustig kann der Schweizer Kabarettist mit Worten umgehen, richtig bissig wird er dabei aber nicht.

Vom Papst wollte er lieber im Schweizer Dialekt reden. „Der Papst ist der Bock im Garten des Herrn“ klinge doch so hart. „Dorr Paabscht is for mie ’s Geisli vom liebe Gott“ höre sich doch viel wärmer an. „Atheisten sind langweilige Menschen“, erklärte er. Und Nihilisten seien depressive Atheisten. Seine Schlussfolgerung: „Der Mensch stammt intellektuell vom Urknall ab.“
Aus philosophischen Betrachtungen, die er in Wortspielereien verpackte bis der „Quatsch immer quätscher“ wurde, leitete Thiel die absurdesten Erkenntnisse ab. Das Publikum, das mit den vielen verbalen Verdrehungen richtig gefordert wurde, lachte und applaudierte. Die Schweizer Außenministerin, die sich angeblich mit Osama bin Laden gemeinsam an einen Tisch setzen wolle, wünschte sich Thiel weit weg. Aber auch die Deutschen hätten ja einen Außenminister, den sie nicht mögen, tröstete er sich.
Thiel gestand: „Seit ein Deutscher Papst ist, sind wir froh, dass der Vatikan – militärisch gesehen – wenigstens in Schweizer Hand ist.“ Locker plauderte er von der französischen „Ingenieurskatastrophe Flugzeugträger Charles de Gaulle“, der sein Konfliktgebiet am Trockendock habe und von anonymen Vegetariern. Mit einem Sektglas in der Hand erklärte er, warum Nichttrinken den Alkoholkonsum fördere. Auch, warum es keine roten Wellensittiche gibt, wusste der „selbsternannte Forscher“ Thiel. Nach kurzen Ausflügen kehrte er immer wieder zum Kern des Abends, der „Pinguintragödie in 36 Akten“ zurück und blödelte. „Ist noch Robbenwurst da?“

Für Pointen wie „Wer an Wunder glaubt, ist blauäugig oder blau“ gab es immer wieder Beifall und Gelächter. Ebenso für die Feststellung: „Das Klima erwärmt sich gar nicht, es gibt nur eine neue Form der Besteuerung. Man kann den Tatsachen ruhig in den Ausschnitt sehen.“ Von anspruchsvollem Humor bis zu Blödelnonsens: Thiel besitzt Sprachwitz – oft intellektuell und tiefgründig und immer lustig.