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Christoph Sieber

eingetragen in: 2007 - 2008 | 0

Von Michael Stukowski, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Was uns in diesem Land noch retten kann? Für den Kabarettisten Christoph Sieber steht es seit der letzten Fußballweltmeisterschaft fest: der Sport. Fein, dass Idole wie der „Klinsi“ wieder im Land seien, witzelte er auf der Bühne Pepperoni herum. Hoffentlich werde der neue Trainer von Bayern München nicht schon nach der dritten Pressekonferenz an Burn-out-Syndromen leiden. Und wenn man aktiv Sport treiben möchte? Das sei allein schon vom Sprachlichen her vertrackt, meinte der gebürtige Schwabe. Denn was früher Gebolze auf dem Hinterhof war, heiße heute „Streetsoccer“. Und der Dauerlauf sei inzwischen zum „Power-Walking“ mutiert. „Bis man das übersetzt hat, hat man schon keine Lust mehr“, frotzelte Sieber.
In welche Wunde er auch griff – die Zuschauer spendeten dem Nachwuchskünstler fast immer Szenenapplaus. Trotz der gelegentlichen Tonstörungen war sein Auftritt brillant und eine einzige Augenweide. Blitzschnell wechselte der gelernte Schauspieler die Themen und Szenerien; jonglierte gekonnt mit drei bunten Bällen, während er über den Neuzeit-Politiker nachdachte und die Frage „Was kann er und was will er von der Welt?“ auf die Spitze trieb; teilte ausgiebig gegen die machtbesessenen Polit-Promis („Immer eine weiße Weste(r)-Welle behalten, auch wenn der Mölli springt“) aus, um schließlich mit flammendem „Hollahi und Hollaho“ eine bitterböse Rede im Bundestag zu halten.
Spielerisch hielt Sieber seine Zuschauer in Atem. Und hatte – auch dank seiner pantomimischen Finessen – den Mut, sie in Abgründe zu führen. So nahm er die Brille ab, zog das Hemd aus der Hose und kam als saufender Proll daher. Die Geschichte von der todbringenden Achterbahnfahrt, die ihn zum Trinker werden ließ, war so hinreißend erzählt, dass die Stimmung abrupt in den Keller ging. Doch Sieber versteht es, die Atmosphäre wie ein Kostüm zu wechseln: Mit einer schrillen Zeitlupen-Studie über den Siegertypen Boris Becker beim finalen Aufschlag brachte er wieder alle zum Lachen. Und dabei blieb es auch. Ob er nun den Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki imitierte oder Oliver Kahn als grimmigen Gorilla in den Strafraum stellte – Sieber fesselte sein Publikum mit Wort und Tat. Den Satz „Kabarett ist wie Sex. Nur besser“ glaubt man ihm sofort.