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Christoph Sieber 2009

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Bissiger Preisträger

Christoph Sieber erhielt im Stadttheater den mit 15.000 Euro dotierten Kleinkunstpreis „Bocholter Pepperoni“.
Bei seinem Programm „Das gönn’ ich Euch“ zog er dann zweieinhalb Stunden lang alle Register seines Könnens.

BOCHOLT  Christoph Sieber ist der neue Preisträger des mit 15 000 Euro bundesweit höchstdotierten Kleinkunstpreises Bocholter Pepperoni. Im ausverkauften Bühnenhaus verliehen ihm Christa und Klaus Hoffs von der Bühne Pepperoni die Auszeichnung. Auf die Lobeshymnen ließ Sieber handfeste Taten folgen. Die netten Worte von Kabarettkollege Dieter Nuhr beantwortete er mit einer „Laudatio an Bocholt“. Und reimte in Anspielung auf das Preisgeld: „Euch muss man mögen – drum brauch’ ich kein Vermögen“. Um kurz darauf alles wieder zunichte zu machen: „Bocholt, vom Scheitel bis zur Sohle – da nehm’ ich lieber Kohle!“ Das verzieh ihm das Publikum im Stadttheater indes gern. Es applaudierte stehend, als Sieber sein neues Programm „Das gönn’ ich Euch“ zum Besten gab.

Und das nicht ohne Grund: Zweieinhalb Stunden lang zog Sieber vor und auf der Bühne wirklich alle kabarettistischen Register. Er verteilte süße „Schnäppchen“ an die Besucher. Ging als zynischer Personalchef durch die Reihen, um seine „Bewerber“ mit Rechenaufgaben zu traktieren. Und lag schließlich bäuchlings, Aerobic sei Dank, auf dem Bühnenboden. Überhaupt: In rasanten Wechseln lösten sich an diesem Abend Comedy, geschliffene Parodien und Pantomimen mit politischem Kabarett ab.

Bei letzterem gab sich der gelernte Schauspieler besonders bissig. Ein schwuler Anwalt aus dem Rheinland und dazu eine Dame aus dem Osten – das hätten die Grünen nicht besser hinkriegen können, frotzelte er über die neue Regierung. Und lästerte weiter: Die FDP als Korrektiv zur CDU, da könne man genauso den Haufen bitten aufzupassen, „dass der Hund nicht mehr sch…“ .Auch an der Personalpolitik der Kanzlerin ließ er kein gutes Haar. Dass „die Merkel“ ausgerechnet „den Wolfgang“ (Schäuble) auf die Finanzkasse gesetzt hat, stimme angesichts schwarzer Kassen und Erinnerungslücken nachdenklich. Selbst im deutschen Bildungswesen kannte sich der Kabarettist aus. „Lehrer an der Schule, dagegen ist der Einsatz in Afghanistan der reinste Spaziergang“, meinte er und spielte damit auf die wachsende Gewalt an Schulen an.

Baumärkte, Astro-Fernsehsendungen und Schwule in der katholischen Kirche – kaum ein Thema war vor Siebers gespielter Empörung sicher. Dabei fiel immer wieder auf, wie souverän er mit den Stimmungen im Saal spielte. So führte er seine Gäste in die Urschrei-Therapie ein und kitzelte lautstark aus ihnen die Wut hervor. Und faszinierte später mit einer schön getimten Pantomime, als er „Boom-Boom-Boris“ Becker beim Aufschlagen imitierte. Und das waren nur zwei Facetten dieses atemberaubenden Abends, der mit Überraschungen nicht geizte.

Laudatio: Dieter Nuhr

VON MICHAEL STUKOWSKI, BBV