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Django Asül

eingetragen in: 2008 - 2009 | 0

VON MICHAEL STUKOWSKI
BOCHOLT Django Asül untersucht seine Auftrittsorte genau. Als der Kabarettist jetzt auf der Bühne Pepperoni sein neues Programm „Fragil“ vorstellte, erklärte er dem amüsierten Publikum, dass zwischen Bocholt, Burlo und Barlo Welten liegen würden. Und gab sich gönnerhaft, als ihm eine Besucherin ihren Heimatort verriet. „Von Isselburg direkt hier in die erste Reihe – mein Kompliment!“ meinte er. Überhaupt präsentierte sich das Lästermaul in satirischer Hochstimmung und bot einen Bauchladen voller kabarettistischer Hochgenüsse.

Frech sezierte er dabei Privates und Politisches. Über den Papst Benedikt und die Abwrackprämie ging es in das Herz der bayerischen Parteienlandschaft. Für die SPD bedeute Erfolg, wenn die anderen Misserfolg hätten, lästerte Asül. Und setzte noch einen drauf: „Bayerische Grüne sind ganz normale Bürger, die daheim auf Kunstdünger verzichten“. Süffisant zog er die Sparpläne, die um das gescheiterte Transrapid-Projekt rankten, ins Lächerliche. Und ließ an den Köpfen der bayerischen Politiker kaum ein gutes Haar. So habe der Huber seinen Hut nehmen müssen, nachdem der Kopf schon längst weg gewesen wäre. „Barack Obama ist die Nutella-Version von Seehofer“, sagte er. Und „die Hohlmeier“ heiße nur so, weil sie einen Namen wollte, der zu ihr passe.

Auch das Verhältnis zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und der CSU nahm der gebürtige Türke aufs Korn. „Die CSU hat Seehofer das Du angeboten, worauf er ihr das Ich anbot“, frotzelte er. Mit einem deftigen Witz wurde die Misere des Finanzsystems gestreift: Zum Kauf einer Glühbirne benötige man zwei Investment-Banker, erklärte Asül den verblüfften Zuhörern. Der eine würde sie herausschrauben und fallen lassen. Der andere sie auffangen und verkaufen, bevor sie zu Boden fallen könne.

Nach der Pause wurde es privater. Er stehe auf der Bühne, damit seine Seele den Druck – ähnlich wie den der Blase – ablassen könne, sagte der Kabarettist. Und fügte rasch hinzu: „Aber Sie sind nicht mein Klo!“ Seine Sprüche auf Ü-30-Partys („Bin vom ADAC und möchte Sie gerne abschleppen“) kamen so gestochen wie die Bekenntnisse, die er in der Rolle des türkischen Migranten Ibrahim abgab. „Seit 30 Jahren ich lebe in Deutschland und jetzt soll ich plötzlich machen auf Integration“ stammelte er. Etwas gewagt waren die Attacken auf die deutsche Basis-Ruhe, die in die Zeit des Dritten Reiches führten. Da habe der Deutsche der ganzen Welt zeigen wollen, wo der Hammer hänge. Und selbst dafür habe man einen Österreicher gebraucht, stichelte Asül. Gelassen nahm er es hin, dass sich das Lachen in Grenzen hielt. Der einzige Beinahe-Ausrutscher eines Abends, der ausgesprochen pfiffig und souverän geboten wurde.

Preisgekrönt
Django Asül wurde 1972 im niederbayerischen Deggendorf geboren. Seine ersten Kleinkunstpreise erhielt er 1996. Vier Jahre später wurde er mit dem Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie Senkrechtstarter ausgezeichnet und erhielt 2007 den Kulturnews-Award für bestes Entertainment.