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Gerhard Polt

eingetragen in: 2005 - 2006 | 0

Von Verena Holtkamp, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Seine unerschöpfliche Quelle sind die Menschen selbst. Großzügig und ohne Pardon bedient er sich dieser. Der zugereiste „Siemensler“ in der Nachbarschaft bekommt dann ebenso sein Fett weg, wie die Tochter, die „zwar nett ist, aber nicht schön“. Gerhard Polt ist zweifelsohne einer der ganz Großen der Kabarettszene!

Zum zweiten Mal gastierte der bayrische Kabarettist bereits auf der Bühne Pepperoni. Im Gasthof Wissing-Flinzenberg überzeugte er am Samstagabend mit seiner präzisen Beobachtungsgabe, seiner spröden Gelassenheit und seinem messerscharfen Humor. „Was sind denn das für Leute?“ gab er immer wieder mit seinem bayrischen Akzent kritisch zu bedenken. Mit den Händen in den Hosentaschen stand der 62-Jährige auf der Bühne und nahm das Publikum mit auf die Reise in die Untiefen und Abgründe des bayrischen Alltags.

„Ich sah, wie ein Subjekt in Form eines Individuums ein Kaugummi ins Antlitz König Ludwigs klebte“, berichtete der Kabarettist von seinem Besuch des Nymphenburger Schlosses in München schockiert. Dennoch: man müsse dankbar sein vor Gott über das, was man in Bayern habe: das Ertönen der Kuhglocken, das Läuten der Kirchenglocken. „Zum Glück leben wir nicht in Mecklenburg-Vorpommern“, setzte er zur Erheiterung des Publikums als Seitenhieb auf Ostdeutschland noch hintendran.

Überhaupt, verstand es Gerhard Polt mehr als gut, mit Wortwitz und Ausdrucksweise die Lacher für sich zu gewinnen. Gestik und Mimik waren da eher zweitrangig.Politik, Kirche, Schule, Beruf oder Privatleben – seine Themengebiete waren vielfältig und spritzig. Ebenso seine schillernden Charaktere: Rudi, Webermax, Pascal, Berti, der Bub von nebenan oder die Frau aus dem Dorf. Eine etwas höhere Stimme genügte: fertig war die typische bayrische Frau.

Mitunter wagte sich der Kabarettist aus dem bayrischen Altötting jedoch auf sehr dünnes Eis. „Adolf Hitler war schlecht in der Schule – trotzdem hat er es zu etwas gebracht!“ Makaber wurde es auch bei seiner Schwimmbadgeschichte. „Wenn ein Nichtschwimmer ersäuft, ist das nicht schlimm!“ kommentierte der Kabarettist. „Schlimmer ist es, wenn ein Schwimmer ertrinkt!“, so Polt. Dennoch: das gut zweistündige Bühnenprogramm kam beim Publikum sehr gut an. Mit rund 360 Besuchern war der Kabarettabend am Samstagabend ausverkauft. Übrigens: Trinität hin oder her – auch Bayern hat ein Dreigestirn vorzuweisen: Papst, Beckenbauer und Stoiber.