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Jochen Busse und Henning Venske

eingetragen in: 2010 - 2011 | 0

Von Beate Theyssen

Bocholt. Für eine gründliche Inventur im politischen Kretinismus sorgte das Kabarettisten-Duo Jochen Busse und Henning Venske am vergangenen Samstag im Barloer Gasthof Wissing-Flinzenberg. Auf Einladung der Bühne Pepperoni besetzten die Satire-Senioren das Podium und funktionierten es zu einem Wartezimmer um.
Unnachgiebig hielten sie dem Publikum die alltäglichen Schwächen unter die Nase und machten sogar die Sprechpausen zu einem stilistischen Machtmittel mit Reflektions-Effekt. So verschwommen wie die Unterschiede zwischen „lebendig, tot und krank“ waren die Ursachen für das Deutschland-spezifische „Mallorca-Syndrom“ oder Venskes „hellblauen Stuhl“.
Austritt von Hirnmasse
Auch Venskes Austritt von Hirnmasse beim Naseputzen erzeugte beim „Stuhlnachbarn“ Jochen Busse nur wenig Mitgefühl („Och – das bisschen!“). Selbst im Wettstreit um die besten Wartezimmererlebnisse war Busse seinem Kollegen Venske, der die ehemaligen Zähne von Paul Potts im Internet ersteigerte, durch einen Besuch beim Tierarzt um eine Nasenlänge voraus: „Ohne Tier – das war auch für die anderen spannend!“
Dass die beiden kabarettistischen Großmeister jedoch weit entfernt von Rheuma-Decke und Kräutertee agierten, zeigte sich im Umgang mit politischen Themen. Von der Demokratieverdrossenheit der Menschen im antiken Griechenland (Busse: „Also vor der Pleite“) über die ihrer Ansicht nach fließenden Übergänge zwischen dem Morgentau- und dem Marschall-Plan, bis hin zu Rousseaus Gesellschaftervertrag blieb kein Thema von ihren anarchistischen Ansichten verschont. Da wurde die deutsche Demokratie zum „Entenmarsch ohne quantitatives Personalproblem“ und die „Parteimitgliedschaft zum Leben im moralischen Elend“ degradiert und die Gerichtsbarkeit des deutschen Stammtisches als „Hort geistiger Kühnheit“ zum Weltkulturerbe erhoben.
Mit viel „Sarrazynismus“ forderte das Duo neben der Organspendeverpflichtung für Hartz-IV-Empfänger („Besser als Schnee schippen!“) die Verteidigung der Burka in Papenburg, weil sich Osama bin Laden im Emsland versteckt. Sie entdeckten Dönerläden mit „terroristischer Leistung“ und forderten einen Schutzwall aus deutschen Hausschweinen gegen das islamische Terrornetzwerk.
Grandiose Unterstützung auf der Bühne erhielten die Satiriker von Frank „Ivan“ Grischek, der mit Akkordeon und stoischer Mine annähernd stumm, damit abweichend von der Norm und demzufolge latent verdächtig deren Angriffen permanent ausgesetzt war. „Schön spatzig“ endetet das Programm mit dem hypochondrischen Werbeverhalten liebeskranker Gartenvögel („Junge Frauen paaren sich bevorzugt mit Turnbeutelvergessern“), das nur den einen Schluss zuließ: „Es wäre besser, die Menschheit auf ,Werkseinstellung‘ zurückzustellen!“