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Jürgen von der Lippe

eingetragen in: 2012 – 2013 | 0

BBV, Michael Stukowski
Bocholt. Strenge Auflagen gab es, als Jürgen von der Lippe jetzt die neue Spielzeit der Bühne Pepperoni eröffnete. Nur fünf Minuten lang durfte man den Komiker fotografieren, und das auch nur im Profil. Selbst Getränke waren während seiner Lesung „Best of Eigenes“ verboten.
Dass man in der Spinnerei trotzdem keine trockene Kehle bekam, lag am „Sprachzauberer“ selbst. Der nämlich servierte seine zumeist selbstgeschriebenen Texte und Geschichten so genüsslich, als würde er ausgesuchte Meeresfrüchte samt einem süffigen Rotwein kredenzen.
Müffelnde Orang Utans
Anders gesagt: Von der Lippe kam so entspannt, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, auf die Bühne, um zunächst aus seinem Buch „Verkehrte Welt“ vorzulesen. Er schien es geradezu zu genießen, seine Gäste in die skurrile Welt seiner Fantasien zu locken. Dort hausten so schräge Gestalten wie müffelnde Orang Utans, die sich in der Dampfsauna für Intimschmuck interessierten. Oder Geisterbahnbesitzer, die ihre halbwüchsigen Söhne vermarkten wollten, weil letztere beim Onanieren unsichtbar wurden.
Wer indes dachte, der probate Mix aus Eros und Alltagswelt würde sich wie ein roter Faden durch den Abend ziehen, wurde eines Besseren belehrt. Wie ein schelmischer Dompteur verteilte von der Lippe verbale Futterhäppchen an seine Fans: Hier mal ein deftiger Witz aus der Homo-Ecke, dort eine lässige „Familientragödie“ im Western-Stil (Zitat von der Lippe: „Ich bin ein Westernfilm-Fan der ersten Stunde“) – der Pointensammler verstand es, mit gekonntem Timing und wechselnden Stimmlagen seine Zuhörer prächtig bei Laune zu halten. Über Gott und die Welt plauderte er.
So übers Übergewicht: Sorgen müsse man sich erst machen, so der Komiker, wenn man mit dem Lift nach oben fahren möchte, und das Ding langsam in den Keller gleite. Allein bei den Weihnachtsgeschichten („Kerzilein – kann Weihnacht Sünde sein“) schien mancher Besucher keinen Spaß zu verstehen. Der Weihnachtsmann mit seiner Frau habe sieben Kinder ganz genau, reimte der 64-Jährige munter drauf los. Drei davon sähen gesund und prächtig aus – die stammten auch vom Nikolaus.
Besser kamen da schon die neckischen Telefonansagen („Ich wusste, dass Sie anrufen. Deswegen bin ich auch abgehauen“) an. Und auch seine „Bocholtslogans“ wie „Wer sieben Stunden Bocholt schafft, schafft auch zwei Jahre Einzelhaft“ brachten die Fans herzhaft zum Lachen. Nach Unterhaltungssendungen steige die Paarungstendenz im Publikum um 18 Prozent, behauptete von der Lippe. Und hakte, als danach ein Besucher im Saal laut aufstöhnte, ironisch nach: „Sind Sie alleine hier oder werden Sie betreut?“

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