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Leipziger Funzel

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Bocholt. Neue Kinder braucht das Land, frische Ideen – und vor allem spitze Zungen wie die „Leipziger Funzel“. Zu dieser Einsicht konnten die Besucher kommen, die die Kabarettgruppe auf der Bühne Pepperoni erlebten. Das Quartett stellte sein Programm „Deutschland, peinlich Vaterland“ vor und lieferte in der gut besuchten Spinnerei eine schlagfertige Bestandaufnahme der bundesdeutschen Missstände.

Wie flotte Blitzlichter wechselten die Szenen: Sabine Kühne-Londa schlüpfte in die Haut einer überforderten Lehrerin und litt unter den „Bandenkriegen“ und Drogengeschäften in ihrer Schulklasse. Thorsten Wolf, vielen Zuschauern aus der ARD-Serie „Tierärztin Dr. Mertens“ bekannt, kam nicht nur als Klomann „After Eight“ daher, der sich mit „politischen Ärschen“ auskannte. Als Stadtstreicher zog Thorsten Wolf anschließend über die schwarz-gelbe Gesundheitspolitik her und titulierte sie als „aktive Sterbehilfe“.

Darstellerisch standen ihnen Bernd Herold und Katherina Brey in nichts nach. Das Paar brillierte vor allem in dem „Parade-Duett“, das sich zwischen der nassfroschen Angela Merkel und dem unterwürfigen Guido Westerwelle ergab. Viele Bonmots waren überzogen und erinnerten in ihrer plakativen Machart an die Tradition des Bertolt-Brecht-Theaters. Beste Beispiele: Die Satire „E-Mail und die Detektive“ und das „Fundbüro, in dem sich die Politiker ihre verlorenen Gesichter abholen konnten“.

Ob es nun um den „Wulff im Schafspelz“ ging oder um Wolfgang Schäuble und Guido Westerwelle, die jeweils als Vampir oder Zäpfchen verkleidet waren – am Ende war der ganze politische Karneval im deutschen Bundestag in Berlin perfekt entlarvt. Glänzend passten dazu die Lieder, die Helge Nitschke am Klavier zum Besten gab. „Wenn der Sozialstaat zu Staub hier zerfällt, dann wär’ ich lieber in Schweden“, sang der Pianist Nitschke.

Nicht ganz ohne war auch die Melodie, die das Quartett als Dankeslied an die Arbeitsministerin „Uschi“ Leyen anstimmte. Am Ende hieß es knapp: „Keiner ist zu klein, ein Hartzilein zu sein!“ Die Zuschauer lachten Tränen, als Wolf zum Schluss noch einmal als „Ossi“ auf die Bühne kam. Unter dem Motto „Satire hatten wir im Osten mehr als genug“ zeigte er, wie man aus sechs kubanischen Apfelsinen acht Liter Orangensaft herstellen und die Reste noch als Bio-Diesel verwenden kann.

Was zugleich eine herzerfrischende Überleitung war: Denn danach ging es nach oben ins Restaurant, wo die nimmermüde Gruppe „Leipziger Funzel“ noch zum Thema „Männer und Frauen passen nicht zusammen“ ein schlüpfrig-freches Nachtprogramm bot.

BBV