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Marc Britton

eingetragen in: 2007 - 2008 | 0

Von Michael Stukowski, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Kotzende Filialleiter, die auf Betriebsfesten an der Pissrinne straucheln. Verkokelter Truthahn im Backofen. Und wüste Schlägereien bei der Mitternachtsmesse. Dass Marc Britton ein Herz für Weihnachtsfeste hat, war bei seinem Auftritt in der Bühne Pepperoni jederzeit spürbar. Besonders die englische Version („Merry Christmas“) hat es ihm angetan. Zwar gibt es auf der Insel nur einen statt zwei Weihnachtstagen. Dafür stehe schon frühmorgens die ganze Familie angetrunken vor der Tür und klingele Sturm, verrät Britton. Die Handgreiflichkeiten, die sich fast zwangläufig ergeben, würden oft in der Notaufnahme enden. Und selbst vom verrußten Truthahnbraten bleibe nichts zurück, da die Engländer ohnehin nichts von gutem Essen verstünden.
Grell, schrill und zuweilen weit jenseits des Appetitlichen sind Brittons Anspielungen und Zoten. Aber der Ganzkörperkomödiant beherrscht den Stilmix aus Slapstick, Pantomime und Stand-Up-Comedy virtuos. Was er seinem Publikum an sprachlichen Knitterfalten zumutet („Ziegenmutter statt Schwiegermutter“), bügelt er mit seinem grandiosen Charme wieder glatt. Und vor allem mit seiner hinreißenden Körpersprache. Britton versteht es, in blitzschnellen fliegenden Wechseln und souveränem Timing die verrücktesten Geschichten zu erzählen. Ob er sich nun verzweifelt in einen viel zu kleinen Tanga windet oder einen postfestlichen Furtz andeutet, den man bis in die letzte Reihe „riechen“ kann – seine grotesken Bewegungen und die skurrile Mimik fesseln den Zuschauer. Letzterer ist vor szenischen Überraschungen nicht sicher. Wenn Britton zum „Christmas-Shopping“ in die Serengeti geht und seine Löwinnen auf ein fressendes Gnu anschleichen lässt, liegen die männlichen Pendants im Schatten und kiffen.
Nicht weniger tierisch fallen bei ihm Weihnachtsgeschichte und Krippenspiel aus: Da beginnt der als Esel kostümierte Rottweiler auf das Schaf, das in Wirklichkeit ein Pudel ist, zu steigen, bis die entsetzten Lehrer das Liebes-Spektakel unterbrechen. Und bei der feuchtfröhlichen „Christmas-Office-Party“ geht es ebenfalls so hautnah zu, dass der Praktikant durch die Räume rennt und „Ich liebe Euch alle. Ihr seid meine Familie“ schreit.
Da wundert es nicht, wenn Brittons Schwiegermutter am Pizzastand Prinz Charles trifft und ihn samt Camilla Parker-Bowles ins Jenseits befördert. Mächtig nach fish and chips riecht es in dem Comicstrip „Christmas in Britton“. Nur schmecken tut das Ganze viel, viel besser.