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Martina Schwarzmann

eingetragen in: 2008 - 2009 | 0

BOCHOLT Gleich in zweifacher Hinsicht hat Martina Schwarzmann Mut bewiesen: Endlich „traut“ sich einmal eine Kabarettistin, in der Männerdomäne der Bühne Pepperoni aufzutreten. Und dann noch auf Bayerisch. Damit riskierte die Beinahe-Münchnerin, dass die überforderten Besucher scharenweise den Saal verlassen könnten.

Doch in der Gaststätte Wissing-Flinzenberg kam es ganz anders. Mit ihrem Programm „So schee kons Leben sei“ (Hochdeutsch: „So schön könnte das Leben sein“) eroberte die Mundartdichterin ihr Publikum wie im Flug. Das amüsierte sich köstlich über die Alltagsnotizen jenseits des „Weißwurst-Äquators“.

Ganz nebenbei wirkte Schwarzmann auch bildungspolitisch und gab ihren Hörern Bayerisch-Unterricht. So weiß man jetzt, dass es sich bei der „Zwiefi“ um eine Zwiebel handelt. Und dass ein „Rüschl“ ein alkoholhaltiger Mix (doppelter Asbach mit Cola) ist. Auch sollte man eine schlecht gelaunte Bayerin nicht unnötig reizen, weil diese dann wahrscheinlich ein „Gschieß“ machen wird.

Seelenruhig, als könnte sie kein Dialekt trüben, erzählte die Kabarettistin aus dem bayerischen Leben. Dazu musste manches Gedicht und manches Lied herhalten. Es ging um öde Partys, auf denen man sich mit „Erdnussflips-Mikado“ die Zeit totschlägt. Und wo die Locken der langhaarigen Gäste schließlich an den Biertischen fest getackert werden.

Belustigt erfuhren die Besucher, dass auch im Bayerischen Wald die Wellness-Hotels wie Pilze aus dem Boden sprießen. Da bietet ein Masseur namens Alfred spirituelle Meditationsschnupperkurse an. Nach dem Motto „Wellness statt Leberkas“ mischt sogar eine ehemalige Metzgerei mit. Zwischendurch streute Schwarzmann „brutale Sommergedichte“ ein, in denen sie zu einer passionierten Nachtschnecken-Mörderin wurde. Im Lied „Der Maikäfer“ kam sie auf bezaubernden Umwegen zu der tiefsinnigen Einsicht, dass eigentlich alles „eine Sache der Perspektiven“ sei.

Zu ihren deftigsten Geschützen zählte das „präventive Friedenslied“. Das spannte einen Bogen, der vom gescheiterten Generationsvertrag bis hin zu den paarungsfaulen Deutschen reichte. „Wir müssen pimpern fürn Frieden“, rief sie den schmunzelnden Hörern zu.

Keine Frage, Schwarzmann ist der lebendige Beweis, dass frau auch ohne bissige Posen, aber mit viel hübsch verpacktem Schwachsinn fesseln kann. Flankiert von drei, vier Akkorden auf einer zumeist verstimmten Gitarre.

MICHAEL STUKOWSKI