» » » Mathias Tretter

Mathias Tretter

eingetragen in: 2012 – 2013 | 0


Ein unerbittlicher Lästerer
Mit viel Sprachwitz und beißendem Spott nimmt Kabarettist Mathias Tretter die Politik auf die Schippe

Bocholt. Ein Rückblick auf das vergangene Jahr mit Mathias Tretter lohnt immer. Wenn er die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lässt, tut er das genüsslich mit viel Sarkasmus. Und wer Mathias Tretter kennt, weiß, dass er Politiker und deren Entscheidungen nicht verschont. Sie alle bekommen fast ausnahmslos ihr Fett weg.
Dass er dabei gründlich recherchiert, gibt seinen Pointen die besondere Würze. Sein Kabarett enthält beißenden Spott, und trotzdem oder gerade deswegen kön-nen die Besucher herzlich lachen. „Ich mache Kabarett. „Nachgetrettert“
Meine Verehrer sind Trüm-merfrauen und pensionierte Lehrer“, begrüßte er sein Publikum im Drosselsaal der Spinnerei. Dort stellte Tretter auf Einladung der Bühne Pepperoni sein neues Programm „Nachgetrettert“ vor. Die Zuhörer erwartete drei Stunden lang respektloser Sprachwitz.
Unweigerlich komme er spätestens nach einer Viertelstunde zum Thema Griechenland, sagte der Spötter. Deshalb stand auch auf seinem Tisch eine Sparbüchse mit der Aufschrift GEZ (Griechenland-Entschädigungs-Zentrale). Er gründete die Aktion „Rettungswitz“ und warf nach jeder griechischen Pointe eine Münze in die Spardose. „Ich plagiiere mich selber“, sagte Tretter, „denn bei mir gibt’s immer wieder ,Griechenspott. „Die griechische Industrie soll wettbewerbsfähig werden“, sinnierte er, „ich wusste gar nicht, dass die am Wettbewerb teilnehmen.“
Dass die Schweizer Steuer-CDs in Deutschland Bestseller seien, hätten die Deutschen DJ Swiss-Fucker Walter-Borjans und seinem Hit von UBS zu verdanken. Tretters Angela-Merkel-Parodien mit treffender Mundwinkelmimik waren schön böse. Das Publikum amüsierte sich prächtig, als Tretter die Entscheidungsfreude der Bundeskanzlerin so beschrieb: „Wolfgang, wir kaufen keine CD, wir warten auf die Singleauskopplung.“
Merkel sei die radikalste Feministin in der CDU seit Heiner Geißler, befand Tretter. Und Peter Altmeier, der Megawatt bis vor Kurzem noch für einen Vergnügungspark vor der Küste Schleswig-Holsteins gehalten habe, werde daran auch nichts ändern, stellte er fest.
Mit dem neuen Wort „wulffen“ (in der Mailbox beschimpfen) kam Tretter auf die harte Arbeit eines Bundespräsidenten zu sprechen. Ein Bundespräsident sei nicht die Exekutive, auch nicht die Legislative, sondern die Dekorative, erklärte Tretter unter schallendem Gelächter. Gauck mit seiner Spontane Lachsalven
„Lutherflunsch“ (die protestantische Schwermut, die an den Lippen ziehe) sehe so pastoral aus, lästerte Tretter zur Freude seines Publikums unerbittlich weiter.
Nach lang anhaltendem Applaus gab es zum Schluss des gelungenen Abends noch eine Merkel-Parodie – diesmal in Form einer Ansprache zum Jahreswech-sel. Mit beschwichtigender Geste mahnte der Witzbold mehrmals zum „Innehalten“ und entlockte dem Publikum spontane Lachsalven.

Von Gudrun Schröck, BBV

Zurück zur Startseite

Sponsored by