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Richard Rogler

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Von Michael Stukowski, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Was hat Sex mit Politik zu tun? Anders gefragt: Sterben die Deutschen aus? Für Richard Rogler zwei von vielen brisanten Fragen, mit denen er auf der Bühne Pepperoni sofort Aufmerksamkeit erregte. 40 Seiten Text hatte der Kabarett-Professor, der seit 20 Jahren an der Universität der Künste in Berlin lehrt, seinen Besuchern versprochen. Und warf, ganz Satire-Dozent, mit Zahlen nur so um sich: Statistisch gesehen hätte jede Bocholter Familie 2,3 Autos und 2,7 Carports. Doch im Bett komme der Bocholter nicht über den Bundesdurchschnitt (2,1 mal Sex wöchentlich) hinaus. Der typische Deutsche nehme das Verkehrsschild „Verkehrsberuhigte Zone“ nun mal allzu wörtlich, meinte Rogler achselzuckend.
Glänzend platziert war nicht nur das Auftaktthema, sondern überhaupt sein neues Programm „Ewiges Leben“. Die alltäglichen sozialen Karambolagen haben es ihm angetan, egal ob sie nun im deutschen Wohn- und Schlafzimmer oder im Bundestag stattfinden. Mit furiosem Tempo und inbrünstigem Temperament streifte Rogler Themen wie Tabaksteuern, „Slow-Food“, Eigenheimzulage oder „Aldi-Roulette“. Ließ zwischendurch ein bayerisches Urvieh (Zitat: „Am Korken riechen? Wenn ich tanke, rieche ich auch nicht an der Zapfsäule“) mit einem Möchtegern-Winzer zusammenprallen. Und fand die Zeit, ein Dutzend Liegestütze auf der Bühne zu machen.
Freilich: Dem „Kamphausen“, wie er sich selber nannte, kamen dabei auch einige kauzige Gestalten zu Hilfe. Wie der Sozi Günter. Nicht nur, dass der von parteiinternen Kampf-Abstimmungen schon einen chronisch verspannten Nick-Muskel hat – wenn die Hartz-IV- Gegner ihn an seinem SPD-Schal erkennen, hagelt es auch noch Prügel. Doch gerade im Rollenspiel zeigte Rogler auch Schwächen. Denn der Steuerberater Manfred und Frau Gabi unterschieden sich darstellerisch kaum von dem Professor Sewering, der im Urlaub nonstop mit der Videokamera auf der Pirsch liegt. Und Rogler verzichtete auch darauf, die Diktion auf den Einzelfall auszurichten. webhosting info . Trotzdem: Respekt, wie er sich über die Handkuß-verweigernde Angie Merkel ausläßt („Wenn’s die Angela nicht schafft, dann kommt Lothar Matthäus“) und den Finanzminister Peer Steinbrück („Der Meister des Gegenfinanzierens“) auf den Punkt bringt. Und sich nicht scheut, seinen Günter bei der Ayurveda-Tour auf Lanzarote zu stören, um den Zuschauer in die Geheimnisse des knallharten Sozi-Lebens einzuführen. Ob es nun eingeschleuste ukrainische Prostituierte oder polnische Spargelzieher sind, die uns die Lohnpolitik kaputtmachen, sei dahingestellt. Der Kabarett-Dozent jedenfalls balancierte schlafwandlerisch sicher auf dem Seil der Polit-Possen und unterhielt seine Gäste einfach bravourös.
Nur beim Sex und der Frage der Nachkommenschaft knickte er ein. 98 Prozent der jungen Leute wollen keinen Sex vor der Ehe, würden die Statistiken besagen. Rogler: „Ja, wenn nicht vor der Ehe, wann dann?“