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Richard Rogler

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Bocholt. Eigentlich wollte Richard Rogler nicht über die „uncoole“ Politik sprechen. Als der Kavalier der alten Schule in Sachen Kabarett jetzt bei der Bühne Pepperoni auftrat, konnte er es doch nicht ganz lassen. Bevor er sich so alltäglichen Dingen wie Ayurveda, Yoga oder dem deutschen Bildungssystem zuwandte, las er den politischen Großtieren erst einmal kräftig die Leviten.
„Ihre Plätze sind unsicher“, sprach er die arglosen Besucher im Kapu an, die in der Saalmitte saßen. Denn gleich könnte die Bundeskanzlerin hereinkommen und ihnen die Plätze einfach wegnehmen. „Alle Politiker wollen jetzt in die Mitte“, frotzelte Rogler. Besonders teuer könnte es werden, wenn „die Grünen“ an die Regierung kämen. Die würden sogar eine „Atem-Steuer“ einführen, und an den Ampeln müsste man Münzen einwerfen, um freie Fahrt zu bekommen.
Als Rogler über die Mittelmäßigkeit der deutschen Politiker herzog, kam auch Angela Merkel schlecht weg. Sie hätte den Fußballstar Mesut Özil nach Madrid vertrieben, weil sie immer in die Umkleidekabine stürmen würde, wenn die Fußballer gerade nackt unter der Dusche stünden. Und mit ihren Sprüchen wie „Der Aufschwung ist jetzt unten angekommen“ könnte man nicht einmal den Hauptschulabschluss machen, meinte der Kabarettist. Da sei ihm „der zu Guttenberg“ schon sympathischer. Schließlich habe der die Wehrpflicht abgeschafft und den „Bundeswehr-Schnupperkurs“ eingeführt.
Schon in diesen Passagen fielen Roglers flüssiger Plauderton und das tolle Timing auf. Doch der Kabarettist steigerte sich noch, als er nach der Pause den verkaufslüsternen Gesundheitsmarkt aufs Korn nahm. „Ich gehe am Sport noch verrückt!“, meinte er und spielte damit nicht nur auf seine lädierten Gelenke an. Geplagt von Schmerzen habe er sich von einem geschäftstüchtigen Apotheker beraten lassen. Der soll ihm Viagra empfohlen haben, denn dann würde er rezeptfrei auf andere Gedanken kommen.
Eine Ayurveda-Massage komme dagegen kaum in Frage. „1500 Euro, um am Ende einen Ölfleck auf die Stirn gesetzt zu bekommen!“, regte sich der Gepeinigte auf. Da lege er sich doch lieber wie in den guten alten Zeiten einfach unter sein Auto.
Mit dem diskriminierenden deutschen Bildungssystem ging er ebenso hart ins Gericht wie mit den so genannten Spätgebärenden. Letztere würden mit letzter Kraft ein Kind „zusammenfriemeln“, lästerte er. Mit Samenzellen, die bereits seit 20 Jahren das Ablaufdatum überschritten hätten.
Mehr noch als über seine parteipolitischen Bonmots lachten die Besucher über Roglers zuweilen recht drastische zeitkritische Anmerkungen. Womit der Kabarettist wieder einmal bewies: Hat man erst einmal den (Gehör-)Nerv seiner Zuhörer getroffen, darf man sich auch die derberen Töne erlauben.

Von Michael Stukowski