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Springmaus

eingetragen in: 2007 - 2008 | 0

Sprachakrobaten am Werk
Das Bonner Improvisationstheater „Die Springmaus“ trifft mit seinen Sketchen und Einlagen auf der Bühne Pepperoni wieder einmal ins Schwarze. Ein Pärchen aus dem Publikum wird fürs Mitmachen zum Prinzenpaar gekürt.

Von Michael Stukowski, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Wollt Ihr noch einen?, ruft Springmaus Georg den Besuchern im Brauhaus zu. „Jaaah“, hallt es hundertfach zurück. Die Springmäuse lassen sich nicht lange bitten und legen noch rasch eine „Hunde-Szene“ nach. Keine Frage: Mit seinen Sketchen und improvisierten Einlagen hat das Quartett – diesmal in völlig neuer Besetzung – wieder einmal auf der Bühne Pepperoni ins Schwarze getroffen. Und da gerade die fünfte Jahreszeit herrscht, haben sich die vier Blödelbarden Narrenkappen aufgesetzt: „Springmaus alaaf“ heißt ihr Programm (Regie: Bill Mockridge).
Kaum war die Gruppe unter lautem Helau durch den Saal gelaufen, da geht auch schon die karnevalistische Post ab. Gewürzt mit viel Stegreiftheater, versteht sich. Geschickt entlocken die Springmäuse dem Publikum Sätze wie „Lutsch schön, dann haste länger was davon“ oder „Finger im Po – Mexiko“, aus denen sie danach eine skurrile Geschichte stricken. Bei der Lückentext-Szene „Im Passamt“ wiederum rufen die Zuschauer Worte zu. So entsteht die Story von einem Schmuggler aus Dinxperlo, der eigentlich in Budapest lebt und mit Kondomen handelt.
Noch verrückter geht es bei der „Reklamation wegen einer Karnevalspistole, die nicht knallt“ zu. Hier entpuppen sich die Springmäuse Georg Roth und Margie Kinsky als wahre Sprachakrobaten: Auf ein Signal hin müssen sie abrupt in einer imaginären Fremdsprache weiterreden, was viel Konzentration und Ausdruckskraft erfordert. Als Gebärdendolmetscher zeigt Paul Hombach seine Klasse. Dank seiner gekonnten Gesten kommt die Klatschreporterin Margie schnell dahinter, dass der Rockstar „Bon Jovi als Teletabbi am Petersdom in Rom“ weilt.
Auch Wernher Menter, der Vierte im Bunde, bewies eindrucksvoll, dass er mehr als nur eine Gastbesetzung ist. Mit viel Stimme und charmantem Herzschmerz sang er das sentimentale „Heimweh nach Kölle“, das Hombach am Flügel begleitete. Schließlich gibt es noch Dr. Lachmann zu sehen, der auf dem OP-Tisch Karnevalshits singt. Und Nicole und Udo werden mitten aus dem Publikum auf die Bühne gebeten und zur Belohnung zum Prinzenpaar gekürt. Die Geschichte ihrer Liebe, die zwischen Schule und Tennisplatz begann, spielten die Springmäuse genüsslich nach.
Das taten sie wie vieles an diesem Abend: Frech und manchmal unter die Gürtellinie zielend. Aber stets mit viel karnevalistischem Herzblut. Besonders die Lehrer und Selbsthilfegruppen mussten in ihren Szenen immer wieder herhalten.

Zu den „Springmäusen“
Die „Springmaus“, 1983 von Bill Mockridge in Bonn gegründet, gilt als Deutschlands erstes Improvisationstheater. In ihren Anfängen spielte es immer sonntags „nach dem Frühstück“ in der Bonner Kneipe „Anno Tubac“. Innerhalb von einem Jahr schon avancieren die „Springmäuse“ zum Geheimtipp der Kleinkunstszene.