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Uwe Steimle

eingetragen in: 2005 - 2006 | 0

Von Michael Stukowski, Bocholter-Borkener-Volksblatt
BOCHOLT Die Besucher in den ersten Reihen konnten sich zurücklehnen: Der Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle, bundesweit bekannt als Polizeiruf-110-Fernsehkommissar, ist weder hinterhältig noch führt er seine Zuschauer vor. Das jedenfalls zeigte sich jetzt in der Bühne Pepperoni, wo Steimle in einem imposanten satirischen Alleingang das Publikum eroberte.  Mit dem war der Grimmepreisträger 2005 rasch per Du. Hatte er eingangs noch gewarnt („Der ganze Abend wird auf Sächsisch stattfinden“), so konnte man am Ende von diesem Bildungsgut gar nicht genug bekommen, weil Steimle sein Wissen schlitzohrig-charmant servierte. Überhaupt scheint ihm der Dialog mit dem Publikum heilig zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass er immer wieder seine geschliffenen Rollenspiele unterbrach, um das Bildungsgut der Bocholter (Steimle: „Hat man das in dieser Ecke wirklich noch nicht gehört?“) zu bereichern.  So erfuhr man ganz nebenbei, dass das Wort „Hitsche“ im Sächsischen eine Fußbank bedeutet und „Hülsen“ nichts mit Bohnen oder Patronen, aber sehr viel mit Dosenbier gemein haben. Und dass der Sachse „nju“ sagt, wenn er sich nicht zwischen gut und böse unterscheiden kann. domain tech info . Originalton: „Du warst in Bocholt. War`s gut? – Nju!“  Dass ihm bei aller Redseligkeit nicht der rote Faden abhanden kam, hatte der Dresdener zwei liebenswerten Personen zu verdanken: Dem 55jährigen Herrn Zieschong und der 89jährigen Frau Bähnert. Besonders letztere zeichnete er mit hoher Intonation und trefflicher Mimik liebevoll nach, als es darum ging, dem Hörer mundgerechte Begebenheiten aus dem Nachwende-Alltag aufzutischen.  Hatte mancher schon bei den Bekanntschaftsanzeigen („Schöne junge Frau gesucht, Anal-Phabetin bevorzugt“) laut losgeprustet, so tobte der ganze Saal, als Steimle zum großen Finale ausholte. Da buhlte er in der Haut des nervösen Ex-DDR-Proletariers Zieschong um die Gunst der Besucherinnenund und brillierte anschließend als rühriger Erich Honecker, der der Nationalen Front die millionste Kläranlage übergab. Bei aller Sympathie zu den Mauerfällern: Den unverblümten Sachsen, der zum Schluß noch einmal so ausgefuchst zur Hochform aufläuft, den kann ihn in dieser Szene kaum einer streitig machen.