» » » Uwe Steimle

Uwe Steimle

eingetragen in: 2009 - 2010 | 0

Bocholt – Als Botschafter der sächsischen Sprache sei er nach Bocholt gekommen, erklärte Uwe Steimle den Besuchern der „Bühne Pepperoni“ im ausverkauften Saal Wissing-Flinzenberg.

Und schon führte er die Zuschauer in die Welt des sächsischen Kleinbürgers. Seine Figuren Günter Zieschong und Ilse Bähnert sind inzwischen bundesweit bekannt. Das skurrile Paar aus dem ostdeutschen Alltag erheiterte das Publikum immer wieder. Besonders köstlich war „Die Annonce an die unbekannte Schöne“. Seine Landsleute karikiert Steimle als „figelant“ (pfiffig), getreu dem Spruch: „Wir Sachsen, wir sind helle, das weiß die ganze Welt, und wenn wir einmal dämlich sind, dann ham wir uns verstellt.“

Dass Steimle dabei sein exzellentes schauspielerisches Können zeigte, war keine Nebensache. Steimle ist ein Multitalent. Seine Parodien auf Erich Honnecker, die er glücklicherweise dem Bocholter Publikum nicht vor-enthielt, waren einfach nur köstlich und strapazierten die Lachmuskeln. Aussprüche von „Honni“ wie „Wir schaffen die Basis für die Grundlage unseres Fundaments“ oder „Wer rechtzeitig geht, den belohnt das Leben“, wurden vom Publikum mit viel Applaus belohnt.

Der Kabarettist Steimle ist jedoch nicht nur komisch wie bei dem Kalauer „Mir tut der Buckel weh, ich müsste mal auf ´ne Kreuzfahrt“. Als politisch interessierter Mensch und selbstbewusste Stimme aus dem Osten weiß er, „wie man in Würde scheitert“ und spricht unbequeme Wahrheit-ten aus, die nachdenklich machen. So sinnierte er: „Ist ,ostdeutsch eigentlich Standortvorteil oder üble Nachrede?“ Feinsinnig und provozierend zugleich überlegte Steimle, ob es wohl heißt: „Standort Deutschland“ oder „stand dort Deutschland“? Zur nächsten Wahl wolle er jedenfalls kämpferisch mit dem Spruch „Streusalz für alle“ antreten.

Die Pflege der deutschen Sprache sei ihm ein großes Anliegen, betonte Steimle. Mit dem Wort „Wirtschafts-wachstumsbeschleunigungsgesetz“ könne er selbst nach genauerer sprachlicher Be-trachtung einfach nichts an-fangen.

Ob man seine „Ostsicht“ teilte oder nicht – es war für alle Besucher ein herrlicher Abend mit jeder Menge hintergründigem Humor. Mit dem Ruf „Freiheit für Griechenland“ verabschiedete sich einer, „der es faustdick hinter den Ohren hat“, wie Klaus Hoffs von der Bühne Pepperoni schon vor der Veranstaltung angekündigt hatte.

VON GUDRUN SCHRÖCK (Text und Foto) Artikel vom 10.05.2010, Bocholter Borkener Volksblatt